22 November 2013

Stell dir vor: dein Kind kommt und keine Hebamme ist da

Die meisten von euch werden es mitbekommen haben.
Die Versicherung für eine freiberufliche Hebamme ist wieder gestiegen. Um 20% auf 5100 Euro.
2008 lag diese noch bei 1600 Euro jährlich!!!
Dass die Versicherungen steigen ist legitim, nicht aber, dass die Gehälter einer Hebamme sinken.
Für eine Geburt bekommt eine Hebamme ca 250 Euro. Das ist eine Pauschale.
Es ist also ganz egal, ob es eine wunderschöne und leichte Hausgeburt von 5 Std ist, oder eine anstrengende und nervenaufreibende Geburt von 30 Std. Es bleiben 250 Euro. 
Wieviele Geburten muss man also im Jahr machen, um überhaupt nur die Versicherung zahlen zu können?!
Seit ein paar Tagen haben die Hebammen es in den Koalitionsvertrag geschafft und es wird besserung gelobt.
Hoffen wir, dass alles gut verläuft und die Gehälter der Hebammen endlich steigen.
Denn sie leisten täglich großartiges!


Bei Facebook fragte ich meine Leser, warum eine Hebamme für sie wichtig ist.
Nun habe ich mir erlaubt eure schönsten Antworten hier aufzulisten und freue mich über all die Antworten die ich bekommen habe.


'' Ich hatte zwei Hebammen und habe immer noch wundervollen Kontakt . Sie halfen mir immer und das bei zwei frühchen nahmen mir die Angst und unterstützen mich Super beim stillen und anderen Wehwehchen''
- Nicole ImWunderland

''ich finde jede Frau sollte eine haben...es ist einfach schön...auch wenn man ja schon sehr geübt ist... man lernt nie aus...''
- Säärah Dehära

''Ich wüsste nicht, was ich ohne deren einfühlsamen Zuspruch und ihre tolle Unterstützung auch in schwierigen Phasen getan hätte. Ich hätte es sicher nicht durchgestanden.''
- Krizepi Talobat

''Meine Hebamme ist inzwischen meine beste Freundin.''
- Franziska Gruhn

''Ich war sehr froh, Kind Nr. 2 außerklinisch haben zu dürfen und eine Hebamme zu haben, die mich in meiner Autonomie bestärkt hat. Ich durfte mein Baby selbst empfangen''
- Beate Kühnapfel

'' Wichtig ist mir, dass sie erfahren, kompetent und sehr sicher auftritt. Ich brauch im Wochenbett und auch vorher niemanden, der mich verunsichert.''
- Saskia Feldner

''Hebammen gerade die nach Hause kommen , sind wie Mütter.Ich denke es ist mehr als ein Beruf , sondern Berufung Hebamme zu sein.
     Als sie mal sagte"ach Heute ist ein guter Tag , ich habe Heute schon ein Kind zur Welt gebracht"habe ich sie sehr bewundert, wer kann das schon von sich sagen!!!!! Engelsgleich.
- Julia Petrocelli

''Hätten wir keine beleghebamme gehabt, hätten wir vor 16 Wochen das Wunder er geburt nicht zu Hause erleben dürfen. Zwei Hebammen nur für uns zu haben war das beste was uns passieren konnte. Sie hatten keine andere Frau zu betreuen waren nur für uns da.''
- Melanie Menden

'' Ich hätte sie nicht missen wollen und bin, ehrlich gesagt, ein klitzekleines bisschen traurig, dass wir sie schon so schnell nicht mehr gebraucht haben''
- Nina Gomolla

''Obwohl sie schon lange nicht mehr für uns zuständig ist kann ich mich bei Fragen immer an sie wenden.''
- Stefanie Liebschwager

''der schönste "job" den man m achen kann ist die geburtshilfe.''
- Steph Sha E
 

Seit über 4 Wochen mache ich mein Praktikum in einer Hebammenpraxis und darf jeden Tag viele werdende Eltern kennenlernen und sie mit begleiten.
Darf den Blutdruck messen, die Kindslage im Bauch tasten, den Bauchumfang messen, die Herztöne untersuchen und vieles mehr. 
Gestern durfte ich dann das erste mal eine Geburt mit erleben und war überwältigt es auch mal aus der Sicht einer Hebamme zu sehen und nicht die werdende Mutter zu sein.
Die kleine K. kam nach über 26 Std spontan zur Welt. Sie war 56cm, wog 4050g und hatte einen Kopfumfang von 36cm. 
Es war eine schwere Geburt. Die Frau bekam eine PDA und hatte daher ein enormes Taubheitsgefühl, welches sie am pressen hinderte.
Mit 2 Ärzten, einer Hebamme, einer Praktikantin (mir), dem werdenen Vater und einem Dammschnitt 3. Grades, stand ich am Bettende und sah das kleine Köpfchen rausgucken. 
Eine Wehe später hat die Frau es geschafft und K. kam um 23:38 uhr endlich zur Welt.

Das war für mich ein unglaublich schöner Moment, den ich wohl immer in Erinnerung behalten werde, auch wenn ich in Zukunft noch einige Geburten mehr sehen darf. 
Nach der Geburt, merkte ich, dass das nicht allein die Tätigkeit von Hebammen ist. 
Auch wenn die Geburt um halb zwölf war, kamen wir erst um drei uhr aus der Klinik.
Die Hebamme war schon Stundenlang im Dienst, rufte mich dann um 19 Uhr an, ob ich dazu kommen möchte. Alles zog sich in die Länge.
Und dann als es für die Familie geschafft war, hatten wir noch lange nicht feierabend.
Papierkram musste erledigt werden, die Blutabnahme aus der Nabelschnur ins Labor, Die Frau musste auf Station angemeldet und gebracht werden und der unangenehmste Teil, der aber dazu gehört war das putzen.
Wir mussten den gesamten Kreißsaal wieder herichten, während man im nebenraum eine Frau beim gebären hörte und die frischgebackene Familie auf ihrem Zimmer ihr Glück genießten.
250 Euro bekam die Hebamme für diese Nacht. Und der Chefarzt der 'nur' den Schnitt nähte, verdient sich ne goldene Nase. 

Das lass ich so stehen und bin sehr glücklich über meine neue Erfahrung die ich sammeln konnte.


Kommentare:

  1. Es ist wirklich eine Frechheit wie wenig Hebammen verdienen, denn sie leisten einen wundervollen Job! Ich habe meine Tochter im Geburtshaus zur Welt gebracht und so hat mich sogar die Hebamme genäht. Da wir kurz nach der Geburt wieder nach Hause gehen konnten, kam sie bis zu drei Mal täglich in der ersten Woche zu uns, auch abends um 21 Uhr und sonntags. Ich bin ihr sehr dankbar dafür und wir stehen auch neun Monate nach der Geburt noch in Kontakt.

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  2. Hallo Tatjana,
    herzlichen Glückwunsch zu "deiner" ersten Geburt,
    ich empfinde es auch jedes Mal als kleines Wunder,
    wenn ein Baby das Licht der Welt erblickt.
    Schön, dass du diesen Beruf ergreifen willst.
    Nicht schön ist tatsächlich die Bezahlung,
    denn ich habe erst so richtig bei der Geburt meiner Enkelkinder
    mitbekommen, was die Hebammen alles Leisten müssen.
    Unsere ist auch eine ganz Liebe, mit der meine Tochter,
    obwohl der Kleine schon 2 Jahre ist, noch sehr guten Kontakt hat.
    Ich hoffe, dass im Bezug auf die Bezahlung endlich mal was geschieht,
    denn der Unterschied, den ein Dammschnitt und ein Doktortitel macht,
    ist nicht gerechtfertigt.
    Alles Gute
    Liebe Grüße
    Nähoma

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  3. Unverschämt, wenn man sich da mal den Stundenlohn ausrechnet! Ich nehme an, dass es sich hier um eine Beleghebamme gehandelt hat? Traurig... Geburten im Geburtshaus kosten bei uns mittlerweile immerhin 400 oder 450€, damit wenigstens der gestiegene Versicherungsbeitrag mit abgedeckt ist...

    Ich hatte es zwar schon bei Facebook geschrieben, wollte dir aber auch über diese Plattform nochmal alles, alles Gute wünschen. Ich bin mir sicher, dass du genau das Richtige gewählt hast - wir brauchen gute Hebammen, und du wirst eine werden :).

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  4. Ja, es ist toll, dass du dich hier im Blog für die Hebammen einsetzt & nun aus eigene Erfahrung etwas beitragen kannst! Ich unterstütze die Interessen der Hebammen, wo ich kann, denn die Erfahrung in unserer Familie seit Generationen ist die, dass nur die Hebammen eine echte Hilfe für Mutter & Kind unter der Geburt und hinterher sind. ( Und gerade durften wir erfahren, dass sie sich eine Stunde UNBEZAHLT Zeit nimmt, wenn eine Schwangerschaft vorzeitig zu Ende ist - wer macht das schon im Gesundheitswesen? ). Es ist ein Schritt, dass die Hebammenfrage in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden ist, aber wir müssen weiter wachsam sein & außerdem für die angemessene Bezahlung kämpfen. Jede Frau sollte das Recht haben auf Hebammenbegleitung in einer solch existenziellen Situation, wie es eine Geburt ist.
    Dir weiterhin viel Freude im Praktikum!
    Herzlichst
    Astrid

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  5. Ich habe Resprekt vor allen pflegenden Berufen... aber die Hebamme ist der beste oder? Ich habe als Freundin einmal die Geburt eines kleinen Mädchen erlebt... und das war bis heute der coolste Film den ich bis heute gesehen habe ;-) Du machst ein spannendes Praktikum!

    lg
    michaela

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  6. Das muss ein wirklich überwältigendes Erlebnis gewesen sein.

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  7. wie witzig, unter deinen kommentaren ist eine aus menden, ich wohne auch da und ich frage mich welche hebamme bzw wo sie entbunden hat. vielleicht hatten wir ja die selbe hebamme :)

    ich finde es auch sehr mutig von dir, grade wegen den finanziellen umständen, das du dich für ein praktikum in der geburtshilfe entschieden hast und den beruf vielleicht sogar gern ausüben würdest.
    das bestärkt mich ein weiteres mal in meiner meinung zu dir, du machst das ganz toll.
    ich hab gehört du kommst auch zum blogger cafe in düsseldorf im januar?

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  8. hi,
    es freut mich für dich, das du jetzt deinen Weg gehen kannst und hoffe du genießt das in vollen Zügen.
    Generell ist der gesamte Gesundheitssektor im A...... und einige Berufe betrifft das besonders hart. Ich finde das ungeheuerlich denn gerade das geht ja wirklich den Menschen an.
    Trotzdem wünsche ich dir weiterhin viel Spaß
    Liebe Grüße
    Silke

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  9. Ich hab die ein oder andere Bekannte welche ich bei meinen Einsätzen auf der Wochenbettstation oder dem Kreißsaal kennen gelernt habe, dadurch habe ich es mitbekommen. Bei Leentje habe ich noch drauf verzichtet eine Hebamme zu haben, aber bei dem nächsten Baby möchte ich es unbedingt, weil ich stillen möchte, was damals nicht geklappt hat & selbst wenn ich alle Griffe & Tricks zum Anlegen gelernt habe als Kinderkrankenschwester, so ist es bei dem Eigenen Kind was ganz anderes!!!

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  10. Ja auch ich habe mich nach der Geburt meiner Tochter vor gut 3 1/2 Monaten mit der tollsten Hebamme die ich hätte mir wünschen können unterhalten und war mir sicher: die verdient zu wenig Geld! Und die Armen 3 anderen, die mich die gut 30 Std zuvor schon betreut haben!!! Die hatten dann ja nix davon.... gut die sind im Klinikum angestellt, aber ihnen fehlte dann ja doch was...

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  11. Es ist toll, dass du das Thema aufgreifst. Mir ist erst bewußt, was Hebammen leisten, seit ich meinen Sohn bekommen habe. Soviel kann man am Anfang des Lebend falsch machen - und es ist einfach gut zu wissen, wer einem helfen kann. Ich hoffe auch, dass Hebammen bald mehr erhalten, denn das ist ein wirklich wichtiger Job!!!

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  12. So wahr, die Berufe die eigentlich die wichtigsten sind bekommen zu wenig Aufmerksamkeit und zu wenig Lohn.
    Aber krass das das nach Geburt und nicht Stunden bezahlt wird.
    Meine Mama und ich haben letztes Jahr die Hebamme getroffen die bei meiner Geburt war und die hat sich sofort an meinen Namen und alles erinnert und sich gefreut und ich bin immerhin heute 26...
    Bei der Geburt meiner Schwester sollte sie eigentlich auch da sein, aber die hat sich dann entschieden innerhalb von fünf Minuten (im Ernst) vor der Badewanne zu schlüpfen, meine Mama hatte gerade noch Zeit mich zur Uroma zu schicken, die hat den Krankenwagen angerufen und die Hebamme, aber als alle kamen saß Mama mit Baby im Bad.
    Übrigens das erste an das ich mich in meinem Leben bewusst erinnere :)

    www.kamerakind.blogspot.de

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  13. Ich war auch schon viele viele Monate als Praktikantin in einem Geburtshaus und auch in einer Klinik tätig und konnte viele Geburten, sowie Nach- und Vorsorgen mit erleben. Es ist immer wieder unglaublich, was die Hebammen alles leisten, aber was für ein toller Beruf das auch ist. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für die Ausbildung und für unsere Hebammen, für uns alle, wünsche ich mir, dass die Hebammen gerettet werden.

    Alles Liebe, Sarina

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  14. Auf der Facebookseite von der Nido gibt es im MOment eine Online-Petition für bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen. Schau doch dort mal vorbei!

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  15. Danke, für deinen tollen Beitrag! Eine Geburt zu erleben stelle ich mir unglaublich toll vor und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du in diesem Beruf glücklich und nicht arm wirst.

    Habe dich bzw. dein Posting übrigens in meinem Beitrag erwähnt. ;) http://menschens-kinder.blogspot.de/2013/11/wir-brauchen-hebammen.html

    Liebe Grüße
    Isa

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