23 April 2014

Ein Tag im Waldorfkindergarten

Tagtäglich bekomme ich liebe Emails von euch, über die ich mich so sehr freue!
Schon ein paar mal bekam ich Emails mit der Frage ''Wie läuft ein Tag im Waldorfkindergarten ab?''
Heute schrieb mir Laura, eine Leserin meines Blogs auch genau diese Frage da ihr Sohn dieses Jahr in den Waldorfkindergarten kommt und sie schon sehr aufgeregt ist.
Nun dachte ich mir, dass ich euch hier ein bisschen davon erzählen kann, aus Sicht einer Waldorfmama.
So ein Tag kann natürlich auch abwägen von meinen Beobachtungen.

Die Bilder die ich hier zeige stammen leider nicht aus unserem Waldorfkindergarten, sondern aus unserem Zuhause. Ich werde euch aber bestimmt auch irgendwann mal kleine Ausschnitte aus unserem Kindergarten zeigen können.


Der Tag in unserem Waldorfkindergarten beginnt für gewöhnlich um 7:30 für die Erzieher und einige Kinder.
Für meine Töchter beginnt er meist eine Stunde später gegen 8:30 Uhr, jenachdem wie ich arbeite oder was für Termine ich habe, oder welche Bahn wir erwischen.

Wenn es nicht regnet, gehen die Kinder dann sofort in den Garten spielen bis es den Morgenkreis gibt.
Regnet es, wird in den Räumen gespielt und/oder gemalt. In der Zeit decken die Erzieher schon den Tisch für das Frühstück.
Bevor es zum Morgenkreis auf den Teppich geht, ist aufräumzeit und danach geht jedes Kind seine Hände waschen.
Im Morgenkreis gibt es ein Begrüßungslied. Danach wird das Sternenkind gewählt, welches das Goldtröpfchen verteilen darf.
''Goldtröpfchen, Goldtröpfchen du sollst wandern, von dem einen Kind zum andern.
Oh wie herrlich, oh wie schön, jeder kann das Tröpfchen seh'n.''

Dann fassen sich die Kinder an den Händen und laufen zum Tisch, wo sich jeder einen Platz sucht.
Das Frühstück gibt es dann gegen 9:30-10 Uhr und richtet sich nach den Mondphasen.
Ich kenne dafür nicht die genauen Bestimmungen. Aber ich weiß, dass es Dienstags immer Brötchen gibt, die zusammen mit den Kindern gebacken werden und Mittwochs Hirsebrei mit Apfelmus.
An den anderen Tagen gibt es dann noch Milchreis, Müsli und Vollkornbrot oder Knäcke.
Das sind immer feste Tage. Dadurch lernen die meisten Kinder auch die Tage zu bennen.
Jeden Dienstag haben die Kinder nach dem Frühstück Eurythmie im Bewegungsraum.


Nach dem Frühstück wenn kein Eurythmie ist, beginnt wieder das Freispiel im Garten oder die Gruppe spaziert zum nahegelegenen Spielplatz bis es Mittagessen gibt.
Bevor es Mittagessen gibt, waschen sich die Kinder wieder die Hände und finden sich um ca 12:30-13 Uhr am Tisch zusammen.
Im Waldorfkindergarten wird viel Wert auf vollwertige Biokost gelegt. Bei uns gibt es auch kein Fleisch oder süßen Nachtisch. Stattdessen viel Rohkost.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen werden die kleinen Kinder zum Schlafen in den Schlafraum gebracht, wo eine Erzieherin bei ist.
Bis die Kinder schlafen ist für die anderen wieder Zeit für Freispiel in der Gruppe.
Wenn alle kleinen Kinder schlafen, heißt es für die großen 'Märchenkreis'.
Dann setzen sich alle in einen Kreis, wo in der Mitte eine Art Altar mit einer großen Kerze steht.
Diese Kerze wird vom Sternenkind angezündet und dann wird leise eine Geschichte vorgelesen.
Danach singen die Kinder ''Schutzengelein, behüt mich fein. Tag und Nacht, früh und spät, bis meine Seele zum Himmelein geht. Schutzengelein behüt mich fein.''
Da dies auch der Moment ist, wo die ersten Kinder abgeholt werden, wird auch das Abschiedslied gesungen und ein Spruch aufgesagt: ''Bis morgen früh um 8, wenn die Sonne wieder lacht.''


Während einige Kinder immernoch schlafen und andere schon Nachhause gehen, gehen alle übrig gebliebenen in den Garten zum spielen, oder bei ganz schlechtem Wetter in den Nebenraum, bis sie dann abgeholt werden.
In der Zeit sieht man die Erzieher oft aufräumen, Filzen oder häkeln...
Während dem Freispiel im Garten oder in den Räumen, wird nochmal eine kleinigkeit gegessen.
Das ist bei uns entweder Rohkost oder ein Knäcke mit Salz. Das nennt man Vespa.
Nach und nach werden dann alle Kinder abgeholt. Die Hauptstoßzeit ist bei uns zwischen 14:30 und 15 Uhr.
Die letzten Kinder werden um 16:30 Uhr abgeholt.


Der gewöhnliche Tagesablauf, kann auch je nach Jahreszeit oder Anlass wechseln.
Zb wird auch statt des Freispiels im Garten oder in den Gruppen mal mit den Kindern gebacken oder gekocht, im Werkraum gewerkelt, oder andersweitig kreativ ausgelebt.
 Aber im großen und ganzen sind es immer wiederkehrende Abläufe und Rituale, die für die Kinder sehr wichtig sind.

Im Eingangsbereich, gibt es ein sogenanntes Schwarzes Brett auf dem immer mal wieder wichtige Nachrichten hängen.
Zb wenn eine Krankheit im Kindergarten rumgeht, ein Steckbrief einer neuen Erzieherin, eine Einladung zum nächsten Elternabend, der Essensplan, und wenn man zb etwas mitbringen soll, oder wenn etwas benötigt wird, usw...
 

Ich liebe den Alltag im Waldorfkindergarten. Er ist struckturiert und dennoch warm, ruhig und harmonisch.
Meine Kinder -vorallem bei Martha merkt man es in letzter Zeit sehr-, sind durch diese immer gleichen Abläufe im Alltag total ausgeglichen.
Ich merke, wie auch mir als Mutter die Waldorfpädagogik gut tut und fühle mich von Jahr zu Jahr immer wohler in ihr und auch ich würde ohne diese Rituale, sowohl im Kindergarten als auch Zuhause sehr durcheinander kommen.
Auch wenn ich nicht oder nur selten (nur wenn ich mal aushelfe weil eine Erzieherin krank ist) einen ganzen Tag im Kindergarten dabei bin, so habe ich doch meine festen Zeiten und Abläufe dort.
Das beginnt beim hinbringen, übers ausziehen, verabschieden, bis hin zum Abholen bzw Nachhauseweg der ja auch noch dazu gehört.

Wir möchten die Waldorfpädagogik nicht mehr missen und freuen uns auf jeden Kindergartentag.
Wie ist das bei euch anderen Waldorfmamas, Waldorfpapas oder sogar Erzieher und Pädagogen?
Ich weiß, dass zumindest zwei Waldorferzieherinnen meinen Blog lesen.
Erzählt mal wie das bei euch in der Einrichtung abläuft. Findet ihr Ähnlichkeiten?
 Und wieviele bald Waldorfmamas und Papas gibt es hier, denen ich nun ein bisschen helfen konnte?
 




Kommentare:

  1. Liebe Tati,

    das hast du schön geschrieben. Bei uns sind die Abläufe geringfügig anders.

    Unsere Kinder in den Waldorfkindergarten zu geben, war die beste Entscheidung überhaupt, vor allem nach den Erfahrungen in einem städtischen Kiga.

    Viele der Abläufe aus dem Kindergarten haben wir Zuhause übernommen, einiges haben die Kinder von sich aus hier eingeführt. Aber bei allem merkt man ihnen an, dass sie "ihren Platz" gefunden haben und auch selbst stolz sind, Waldorfkindergartenkinder zu sein. Besonders der Mittlere betont das äußerst gern ;-)

    Liebste Grüße
    Jane

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  2. Hallo liebe Tati,
    habe deinen Eintrag sehr gerne gelesen und es ist echt toll. Wir leben sehr ländlich und unser Kindergarten schimpft sich zwar nicht Waldorfkindergarten, könnte aber einer sein, wobei ich vielleicht noch eine Sache anders machen würde aber soweit finde ich den Ablauf echt gut und fast gleich. Oktoberbub isst dort aber kein Mittag und ist auch nur vier Stunden dort. Das reicht vollkommen. :) Vor allem für ein Kind in dem Alter.

    Liebste Grüße. ♥ Vielleicht schaust Du ja auch mal bei mir vorbei. Alles Liebe.💕

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  3. du machst mich grade echt traurig das wir nicht die möglichkeit haben elli in einen waldorf kindergarten zu bringen. in unserer stadt gibt es leider keinen :( ich hoffe aber das wir in einen der waldkinergärten einen platz finden werden, die sollen hier auch richtig toll sein.

    als ich gestern abend deinen post hier gelesen habe, ist mir wieder das körbchen aufgefallen. und dann hab ich mich erinnert das meine mutter letztens das große körbchen vom hund gewechselt hat. ich glaube das klaue ich mir die tage mal und mache daraus auch so eine schöne kuschelecke für elli :) danke für diese inspiration.

    liebe grüße

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  4. So schön geschrieben Tati!
    Ich hätte so gerne das meine Zwei in den Waldorfkindergarten gehen, aber leider ist der Kiga 45min entfernt von uns. Wir waren aber dort zum Frühlingsfest und die Beiden fanden es so toll dort.
    Ich hab sie gar nicht mehr aus der Spielküche rausbekommen. Und das tolle war, sie haben nur mit Kastanien und Filzschnüren gekocht :-)
    Viele liebe Grüße,
    Katja

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  5. Danke für diesen schönen Post! Ich freu mich schon sehr auf August und bin froh, eine solche tolle Einrichtung gleich um die Ecke zu haben. Sind M. und J. eigentlich in einer Gruppe? Paul wird in eine gemischte Gruppe kommen. Finde das klasse. Schließlich lernen die Kleinen von den Großen. Trotzdem haben die U3 Kinder aber einen extra abgetrennten Bereich im riesigen Außengelände. Ich bin so gespannt und freue mich weiter von euren Waldorfgeschichten bzw. Erfahrungen zu lesen.

    Lieben Gruß,

    Laura

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  6. Hey Tatii,

    super mal so einen Ablauf zu lesen. Meine beiden gehen in einen ev. Kiga und der Ablauf stimmt mit eurem fast überein. Nur das mit dem Essen leider nicht, da kommt immer "Essen auf Rädern". Naja besser als Appetito so wie im alten Kiga.

    Ich mache ab Sommer eine Ausbildung zur Erzieherin und mache vorher noch ein Praktikum in einem Waldorfkiga. Ich freu mich schon riesig drauf gerade weil mich diese Pädagogik besonders interessiert.

    LG Sandy

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  7. An sich finde ich die Waldorfpädagogik sehr interessant und harmonisch. Sie wirkt sehr ruhig und durch die Naturmaterialien sehr natürlich und nicht überfordernd auf Kindern. Was ich allerdings ein wenig komisch finde, ist die Eurythmie...ich glaube man muss einfach hinter dem Konzept stehen.. :)
    viele die nach der Kindergartenzeit nicht auf eine Waldorfschule gehen, haben dann Probleme sich an eine Regelschule zu gewöhnen.

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    1. Ach quaaaaak! Nein! Wenn sie vorher auf einer Waldorfschule waren und dann auf eine Regelschule wechseln, ok. Aber nach dem Kindergarten überhaupt nicht! Das tut nichts zur Sache!

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    2. Das würde ich so nicht sagen. Ich habe in einer ersten Klasse ein Mädchen erlebt, die in einem Montessori-Kindergarten war und die hatte Probleme plötzlich das machen zu müssen, was alle machen. Das ist zwar nicht Waldorf, aber eben auch anders als die 08/15-Kindergärten. Die Frage ist allerdings, ob ein Kind davon Schaden nimmt, was ich aber nicht glaube, wenn die Lehrerin auf das Kind eingeht. Dein Eintrag hat mich übrigens dazu bewegt, dass ich mir den Waldorf-Kiga in unserem Ort nächste Woche besuchen werde, um dort eventuell ein 22wöchiges Praktikum zu machen. Hoffe es ist dort auch so schön!! :)

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  8. Ach das klingt ja schön. Unsere Kinder gehen nicht in einen Waldorfkindergarten, aber der Tagesablauf ist ähnlich. Alles ist heimelich und familiär. Gemeinsam essen finde ich toll...viel draussen spielen. Stuhlkreis, Lesestunde. Ich bin auch so so froh über unseren Kindergarten!!

    Sollen/werden Deine Lieben denn auch auf eine Waldorfschule gehen?

    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Das weiss ich noch nicht. Da haben wir ja noch Zeit. Ansich sollen sie es, aber ob das finanziell und organisatorisch so hinhaut ist noch unklar. Mal sehen wie das in 2 Jahren aussieht ;)

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  9. Sehr schön geschrieben :) ja es gibt einige Dinge die gleich sind, einige jedoch auch nicht :) hatte ja eh vor nochmal genauer auf den Tages und Wochenablauf auf meinem blog einzugehen :) schick mal ein paar deiner Leser zu mir rüber :P liebe Grüße :)))

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    1. Ja das werde ich! Ich verlinke deinen Blog mal nachher sobald ich dran denke auf facebook.

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  10. Mein Sohnemann geht in einen städtischen Kindergarten, aber so wirklich nennenswerte Unterschiede konnte ich jetzt nicht entdecken.
    Ok, Speiseplan unterscheidet sich etwas, denn es gibt auch Fleisch und Eurythmie gibt es auch nicht. Letzteres finde ich aber gar nicht schlimm, denn damit kann ich auch so gar nichts anfangen.

    Trotzdem schöner Post :) Ich bin immer neugierig, wie es anderswo so abläuft.

    LG

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  11. ich als "waldorfmama" finde es auch mal interessant zu lesen wie es in anderen w-kigas so abläuft....
    bei "uns" ist es aber doch bisserl anders....:
    mo - morgengang&eurythmie
    di - backtag
    mi - aquarellieren
    do - austoben in der turnhalle (waldorfschule und -kindergarten sind auf dem gleichen gelände, deshalb geht's)
    fr - waldtag oder esel besuchen (durch die waldorfschule gibt es esel auf dem gelände)
    das "programm" ist quasi 1-1,5 stunden des vormittags (alles zusammengenommen, also auch den raum bereiten beim aquarellieren bpsw., eurythmie hingegen sind höchstens 20 min.), alle andere zeit wird mit spielen, malen und essen verbracht....aber es gibt bei uns im kindergarten feste sitzplätze. und die sind heilig :)

    die nachmittage, also wenn ein kind "nachmittags-kind" ist, sind immer freies spiel, wenn die kinder noch jünger sind, sind sie in der ruhe- oder schlafensgruppe.
    ich habe inzwischen auch ein schulkind und muss feststellen, dass die "krassen" unterschiede von regel und waldorf einrichtungen nun auftreten! also der unterricht an einer staatlichen schule und einer waldorfschule haben außer den schülern, lehrern und vielleicht noch dem pausenbrot eigentlich nichts mehr gemeinsam :)
    für die kindergärten finde ich die unterschiede nicht sooo extrem, außer die offensichtlichen (eurythmie, raumgestaltung, essen), außer dass es keine "offenen" konzepte gibt.

    und auch wir könnten glücklicher nicht sein. ich sage immer menschen, die uns nach den "waldis" fragen: "ich treffe als mutter einige fragwürdige erzieherische entscheidungen (auf jeden fall aus sicher meiner kinder:), aber die entscheidung unsere kinder in eine waldorf-einrichtung zu geben, war einer der besten die wir als eltern getroffen haben....

    so, schluss jetzt mit dem gelaber ;)
    lg
    leslie

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  12. Liebe Tatti,

    auch bei uns ist der Kindergartenalltag ähnlich.
    Die Kinder gehen bei uns in der 2. Freispielzeit nach draussen
    und zur Mittagsruhe gehen alle Mittagskinder nach dem Mittagessen.

    Sonst ist es relativ gleich... aber das ist ja auch das schöne
    an der Waldorfpädagogik!

    Wir leben die Pädagogik, den Rhythmus und vieles mehr auch zu Hause.
    Ich mag auch nicht mehr ohne! :-D

    An manchen Tagen ist es schwieriger am Ball zu bleiben,
    an anderen Tagen ist es wieder einfacher....
    Aber es ist schön, das man etwas hat, das einem Halt gibt!

    Herzliche Grüsse & weiterhin viel Spass im Kindergarten
    wünscht
    Fräulein Rumpelstilzchen

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  13. Also ich bin in einem anthroprosophischen Dorf aufgewachsen, war aber auf einer Regelschule und auch in einem normalen Kindergarten, weil beides zu weit entfernt war. Es gab zwar einen Bus aus unserem Dorf der extra bis zur Schule gefahren ist, aber täglich 2Std Busfahrt wollten meine Eltern mir dann doch nicht zumuten. Auch wenn ich ihre Entscheidung bis heute nachvollziehen kann muss ich sagen, dass ich es unglaublich schade fand, weil ich in der normalen Schule nie 100% angekommen bin. Ich würde meine Kinder, soweit ich es später einmal bezahlen kann, immer zumindest in einen Waldorfkiga schicken und bei der Schule dann bei jedem Kind abwägen. Für manche Kinder passt es dann doch nicht ;)
    Vielen Dank für den schönen EInblick, ich verstehe warum deine Kinder sich so wohl fühlen!
    LG Tanja

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  14. Meine Cousine hat jetzt in die Waldorfschule gewechselt und ist so glücklich damit.
    Meine Tante sagt auch dass es die beste Entscheidung war und die Kleine endlich angekommen ist und Freude an der Schule hat.

    www.kamerakind.blogspot.de

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