07 Oktober 2014

Stillstand


Nach 30 wunderbaren Stillmonaten, haben wir für unsere lange Stillgeschichte ein schönes Ende geschrieben.
30 Monate, in denen wir in guten und in schlechten Zeiten gestillt haben. In schweren und in schönen Momenten.
Wir stillten auf Usedom, wir stillten auf der Kinderstation im Krankenhaus als Martha eine schwere Bronchitis hatte, wir stillten an sämtlichen Orten in Berlin und Essen, und auch in Köln als wir den Patenonkel (Platonisch gesehen. Ich habe ungetaufte Kinder) besuchten...
Ich tröstete Martha als sie die bösen Windpocken hatte, ich stillte sie in Zügen, wenn wir Florian besuchten... Seit sie ein Baby ist kennt sie Flo nun schon. Nun wird sie im Januar 3 Jahre.
Die Zeit vergeht so schnell.

Am Anfang der Stillzeit hatte ich eine fiese Mastitis mit Schüttelfrost und Fieber und ich dachte erst es sei unser Stillende, doch ich hielt durch.
Ich stillte mit zusammengekniffenen Augen weiter um meinem Kind das Beste zu geben.
Dann als die ersten Zähne da waren, biss sie mir ein Stück Brustwarze ab. 
Ich blutete und hatte Schmerzen bis zum geht nicht mehr. Doch ich war eine Löwin, die ihr Kind nähren wollte und stillte auch diesmal mit vielen Tränen weiter.
Bis zum 10. Monat stillte ich sie voll. Ohne irgendwas anderes. Erst dann begann die Beikostzeit und sie aß sofort vom Familientisch mit.


Nach 30 Monaten war das Stillende in Sicht. Auch wenn es mir nicht leicht gefallen war, ich wollte nicht mehr.
Nicht, weil ich nicht gerne stille oder es mir nicht vorstellen konnte sie auch noch mit 3 zu stillen, nein.
Es wurde einfach zunehmend schwerer. Ich begann zu arbeiten und die Ausbildung zur Erzieherin stand bevor.
Jedesmal wenn ich die Kinder aus dem Kindergarten holte, wollte Martha sofort stillen.
Sie begrüßte nicht mich, sondern meine Brüste.
Ich war noch nicht ganz im Kindergarten, da zog sie mich aus und wollte ihre 'Titti'.
Das fand nicht nur ich traurig, sondern auch Julietta (und die die Erzieher).
Julietta kam gar nicht dazu mich zu begrüßen. Sie fühlte sich zurückgewiesen und das zerrte an meinen Nerven.
Also beschloss ich das Stillen nach langen 30 Monaten aufzugeben und war satt.
Zuhause klappte das Abstillen gar nicht. Es fiel Martha sehr schwer und ich gab natürlich immer wieder nach. Denn ich bin nicht dafür, sein Kind schreien zu lassen bis es nachgibt und die Situation akzeptiert.
Also wartete ich, bis Papazeit war.
Als sie dann 2 Wochen in Berlin waren, wurde meine Milch stetig weniger.
Ohne Abstilltabletten oder sonstiges. Lediglich Pfefferminztee wurde getrunken.
Als sie wieder kam aus Berlin war ich total gespannt, wie sie wohl reagiert.
Den ersten Tag hat sie gar nicht an die Brust gedacht. Danach den Tag fragte sie nach ihrer 'Titti'.
''Die Titti ist alle Martha.'' Antwortete ich.
Es wurde gequengelt, aber ich erklärte ihr, dass wir auch so kuscheln können.
Seit wir nicht mehr stillen, kommt sie regelmäßig zu mir und sagt 'kuscheln' statt 'Titti'.
Das tut gut! Und es scheint ihr zu reichen. 
Sie fragt zwar hin und wieder noch und erinnert sich an diese wunderbare Zeit wenn sie mich nackt sieht und erzählt davon, aber es fällt ihr nicht mehr schwer und ich glaube wir denken beide gern an diese Zeit zurück.

Dank Julietta und Martha habe ich diese Leidenschaft des stillens zu meinem Beruf gemacht und bin jeden Tag den ich im Krankenhaus bei meinen Frauen verbringe und ihnen vom stillen erzähle und dabei zuschauen darf glücklich.

Kommentare:

  1. Der kleine Prinz (2 1/2) wird auch noch zum Schlafen gestillt. An für sich stört es mich nicht, nur nachts (wenn er dann zu uns ins Bett kommt und ab da an immer wieder mal die Brust will, je nachdem wie fest er schläft), dann ist es schon sehr lästig....

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  2. Super! Alles richtig gemacht, finde ich!

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  3. Bei deinen wunderbaren Zeilen könnte ich gerade echt heulen, liebe Tatii. Ich ziehe meinen Hut vor dir, ganz ehrlich! Vor dir und deiner Stärke. Als ich schwanger war, war für mich klar, dass ich nur sechs Monate stillen werde - ich konnte mit einfach nichts anderes vorstellen und hatte echt Angst vorm Stillen in der Öffentlichkeit. Dann wurde der kleine Räuber geboren und das erste Mal angelegt.. und alles war egal. Ich wusste, ich stille bis wir beide nicht mehr wollen - und das würde nicht nach sechs Monaten plötzlich vorbei sein. Dann kamen die ersten Stillkrisen, obwohl ich sagen muss, dass ich nie große Probleme hatte. Es hat einfach funktioniert und bis auf ein wenig Wunde Brustwarzen war alles okay. Außer, dass M. IMMER wollte. Ständig. Aber okay, er brauchte da so und ich hielt auch durch, als es von allen Seiten hieß "dann gib ihm doch einfach die Flasche". Never ever, sagte ich mir und meine Hebamme stand absolut hinter mir und das mit einer echt wunderbaren Entspanntheit, die uns zu (wie ich hoffe) auch sehr relaxten Eltern gemacht hat. Jetzt stillen wir seit 13 Monaten und das noch relativ viel. Besonders nachts oft alle halbe bis eine Stunde, mit Glück alle zwei, mit einem Wunder vergehen auch mal drei oder vier Stunden. Ich muss sagen, dass der Gedanke an's Abstillen immer häufiger kommt und auch konkreter wird. Es zehrt nicht nur an meinen Nerven, sondern auch an unserer Partnerschaft (obwohl meine Frau zu 100% hinter mir und dem Stillen steht). Aber deine Worte machen mir gerade wirklich Mut es doch noch etwas länger zu probieren, denn eigentlich lieben wir es zu Stillen. Und diese Zeit kommt so nie wieder..

    Ich würde so gerne meiner Schwägerin deine Zeilen vorlesen, denn sie ist vom Schlag "meine Brustwarze juckt ein bisschen, ich gebe lieber die Flasche". Natürlich muss jeder für sich selbst wissen was für ihn richtig ist, aber diese "Ausreden" tun mir (!) echt weh. Vor allem, wenn man dann hört, was Martha mit dir gemacht hat, hilfe!

    Viel Geschwafel, eigentlich wollte ich nur sagen: Danke! Für die ehrlichen Worte und den (unbewussten!?) Arschtritt, dass es doch wunderbar funktionieren kann, wenn man es eigentlich will. :)

    Liebe Grüße, Nina

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  4. Sie hat ein Stückchen abgebissen? Uaaaahhhh .... auch unsere Stillzeit ist nach 14 Monaten vorbei, da ich mir den Ellenbogen gebrochen habe und Sohnemann völlig klaglos seine Nuckelstelle hat ziehen lassen. Das hätte ich noch vor ein paar Wochen nicht gedacht. http://amberlight-label.blogspot.de/2014/10/upcycling-familienbett-hochbett.html

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  5. Echt toll geschrieben liebe Tatii. Hab sogar Pippi in den Augen.
    Ich habe es auch geliebt zu stillen und werde immer ganz selig wenn ich eine Stillmama sehe.

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